Es gibt ein altes indianisches Sprichwort: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, erst dann werdet ihr feststellen, daß Remakes von guten Filmen überflüssig sind. Wie sich aber leider in den letzten Jahren herausgestellt hat, sind die Damen und Herren in Hollywood extrem beratungsresistent. Wer kann es ihnen auch verübeln. Die Story hat sich bereits bewährt, mit unbekannten Schauspielern sind die Dinger relativ günstig zu realisieren und der bekannte Titel zieht ausreichend gutgläubige Schafe in die Kinos und vor die Läden.
Leider bedürfen die wenigsten, für ein Remake ausgewählten Filme, eben dieses. Gute Filme sind zeitlos und stehen auch nach Jahrzehnten für sich. Womit wir auch schon bei der Hauptattraktion für heute Abend sind ... das 'A Nightmare On Elm Street' Remake von 2010. Wer in den Achtzigern aufgewachsen ist, ist an dieser Reihe nicht vorbei gekommen. Ein Horrorfilm mit netten Gore-Effekten, einer einfallsreichen Story und flotten Sprüchen stand damals genau im Gegensatz zu den dominierenden, bierernsten Slasherfilmen wie die 'Freitag der 13.' Reihe. Zugegeben, nicht alle Freddie Filme waren das Gelbe vom Ei. Von den ungefähr sieben Filmen der alten Reihe kann man vielleicht vier mehr als einmal gucken. Die ersten drei Teile sind eigentlich durchweg solide, wobei das Traumkonzept im dritten Teil ('Dream Warriors') sicherlich seinen Höhepunkt findet. Das war an Einfallsreichtum kaum zu überbieten.
Weil mich aber vorher mal wieder keiner gefragt hat, müssen wir uns jetzt mit dem Remake des Originals von 1984 herumschlagen. Hilft ja nichts, Augen zu und durch!
Bei der Story hat man sich zu großen Teilen an das Original gehalten. In einer Kleinstadt wird der Hausmeister eines Kindergartens (Freddy Krueger) des Kindesmisbrauchs beschuldigt. Die Eltern der Kinder verfolgen den Hausmeister und er wird durch ihr Verschulden in einem Feuer getötet. Die Eltern verschweigen den Vorfall und vertuschen alle Beweise. Jahre danach kehrt Krueger zurück, in dem er sich in die Träume der damaligen Kinder einschleicht, und beginnt diese nach und nach zu töten. Die letzten Überlebenden Kinder, Quentin, Nancy und Jesse, werden alle von den selben Albträumen geplagt und beginnen langsam die Gründe für ihr Martyrium zu verstehen. Zusammen bringen sie Licht in die dunkle Vergangenheit ihrer Familien und versuchen dem ein Ende zu bereiten.
So weit, so gut ... oder auch eben nicht. Die Story bietet theoretisch unendlich viel Stoff für originelle Momente. Ein Großteil des Films spielt in Träumen von Teenagern! Komm schon, wie kann man das versauen? Bedauerlicherweise versinkt das Remake in einem Sumpf von einfallslosen Traumsequenzen und o8/15 Morden. Der Regisseur, Samuel Bayer, hat leider in seinem krampfhaften Versuch die Geschichte so sehr wie möglich in der Realität anzusiedeln, den eigentlichen Punkt der 'Elm Street' Reihe aus den Augen verloren. An den Alltagsschauplätzen, in einem schmuddeligen Grün-Grau gefilmt, geht das fantastische Element komplett verloren. Nichts ist von den alten 'Uhh' und 'Ahh'-Momenten geblieben, wenn Freddy sich ein ein Motorrad verwandelt, mit einem Mal meterlange Arme hat oder einen der Teenager in eine Kakerlake verwandelt. Hier muß alleine die Kralle die Hauptarbeit verrichten.
Obwohl einige Szenen als Hommage für das Original eingearbeitet wurden, ich denke hier an die blutige Bettszene oder die Hand in der Badewanne, wurden hier doch die meisten Chancen verpasst. Die Lieblosigkeit, mit der Freddy die ganze Sache angeht, hilft auch nicht gerade. Von den flotten Sprüchen ist fast nichts geblieben. Der neue Freddy ist ein bierernster Rachengel, der sich durch den kompletten Film mit finsterer Stimme durchmurmelt. Das klingt teilweise schon sehr gezwungen, obwohl ich eigentlich ein Fan von Jackie Earle Haley bin. Leider scheint seine Interpretation nur ein Aufguss seiner Rolle als Rorschach aus 'Watchmen' zu sein. Wo wir gerade bei Freddy sind: die Maske! Ich verstehe den Versuch, das Gesicht wie das eines realistischen Brandopfers aussehen zu lassen. Leider ist das so ausgeartet, das es den Eindruck macht als ob der gute Fred direkt von der Botoxbehandlung kommt. Das Gesicht bewegt sich kaum beim sprechen und Mimik im allgemeinen ist Fehlanzeige.
Die Charaktere sind leider genauso eindimensional, wie man es erwarten konnte. Wir haben die hübsche Cheerleaderin (Katie Cassidy als Kris), das hässliche Entlein (Rooney Mara als Nancy), den Footballspieler (Thomas Dekker als Jesse) und den netten Außenseiter (Kyle Gallner als Quentin), der es nur gut meint. Die schauspielerische Leistung der Akteure sind durch die Bank nichts besonderes aber man kann es sich angucken. Rooney Mara liefert eine solide Leistung, auf Kyle Gallner hätte ich durchaus verzichten können. Haley beschränkt sich, wie schon gesagt, auf sein monotones gegrummel, auf das Kurt Russell oder Bruce Willis stolz wären.
Überflüssige Szenen gibt es ebenfalls genug. Das fängt von der komplett beliebigen Intromontage an und endet bei der Szene, in der die Eltern Freddy jagen und verbrennen. Wir kennen die Vorgeschichte aber schon und es besteht wirklich kein Grund das noch einmal komplett zu verfilmen, da das nichts neues zur Geschichte beträgt. Das war schon bei Rob Zombies Halloween Remake so und ist hier nicht anders. Niemand muss wissen, warum Michael Myers oder Freddy Krueger so geworden sind, wie sie sind. Das sind böse Mutherfucker, das muß reichen.
Am Ende des Films steht ein viel zu kurzer Showdown zwischen Freddy, Nancy und Quentin, der komplett unspektakulär mit Freddys durchschnittener Kehle endet. 'Das war es?' habe ich mich an dieser Stelle gefragt. Noch nicht mal geköpft? Kein dummer Spruch zum Abschied? Nichts? Das mit der durchschnittenen Kehle hat sich dann doch noch geklärt, weil Freddy danach noch einmal kurz in einem Spiegel auftaucht und so die Möglichkeit für die Fortsetzung vorbereitet. An dieser Stelle habe ich mich alleine schon beim zugucken ein bißchen fremdgeschämt.
Was bleibt, ist ein Film, den niemand sehen muß, der das Original kennt. Wer beim Zappen durch Zufall reinschaltet, kann sich das aber ohne große Schmerzen zu Ende angucken, Geld sollte man hierfür jedoch nicht ausgeben. In der Sache ein solide gemachter Film, aber nichts Besonderes und in Anbetracht des guten Originals komplett überflüssig. Lasst uns hoffen, daß das Einspielergebnis keinen zweiten Teil rechtfertigt.
A Nightmare On Elm Street (2010)
Reviewed von Frank Voigts am