'Hobo With A Shotgun' hat als Trailer in Robert Rodriguez und Quentin Tarantinos 'Grindhouse' seinen Anfang genommen. Die Resonanz war derart positiv, daß nach 'Machete' nun auch 'Hobo' den Sprung zum abendfüllenden Film geschafft hat. Regisseur David Eisener hat sowohl den Trailer als auch den Spielfilm zu vertreten. Die Schauspieler haben es nicht in die Langversion geschafft und die Hauptrolle des Penners wurde mit Rutger Hauer besetzt. Ohne etwas vorweg zu nehmen: dies war ein genialer Schachzug.
Hauer ist ja durchaus mit dem achtziger Trash- und B-Movie vertraut. Von 'Hitcher' bis 'Blind Fury' hat der Gute so manche Genreperle abgeliefert. In den letzten Jahren ist er leider etwas in der Versenkung verschwunden, hat aber jetzt als Penner ohne Gnade sein würdiges Comeback gegeben. 'Hobo With A Shotgun' bedient die Exploitationschiene im besten Sinne. Hier wird nicht lange gefackelt und mit einer langatmigen Story herumexperimentiert, sondern man kommt nach exakt drei Minuten auf den Punkt. Das ist Trash in seiner reinsten Form und kann den Machern gar nicht hoch genug angerechnet werden.
Rutger Hauer spielt einen Vagabunden, der in eine Stadt kommt, die von einem ruchlosen Gangster gnadenlos ausgebeutet wird. Zusammen mit seinen zwei Söhnen verbreitet er Angst und Schrecken unter den Bewohnern. Wer nicht spurt, wird auf die möglichst grausigste Art um die Ecke gebracht. Eigentlich wollte der Penner nur einen Rasenmäher kaufen, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Dies ändert sich, als er immer wieder von den Gangstern malträtiert wird und er entscheidet sich dazu zurück zu schlagen. Statt des Rasenmähers kauft er sich eine Schrotflinte, die praktischerweise genau so viel kostet wie das Gartengerät. Glück muß man haben.
Das war es auch schon mit der Story und von hier an geht es ohne Rücksicht auf Verluste ans Eingemachte. Wir sprechen hier von abgerissenen Köpfen, Händen in Rasenmähern und einem Schulbus voll kleinen Kindern, die Bekanntschaft mit einem Flammenwerfer machen (und selbstverstädnlich spielt an dieser Stelle Disco Inferno mit 'Burn Baby, Burn'). Es ist an dieser Stelle wohl überflüssig zu bemerken, das dieser Film in Deutschland so wohl nie erscheinen wird. Dafür hat der liebe Gott ja den europäischen Versandhandel erfunden.
Vom absichtlich gewählten, qualitativ schlechten VHS Look des Films bis hin zur komplett überzogenen Vorstellung der Darsteller, hat der Film einfach alles, was man sich wünschen könnte. Nicht nur das, dieser Film ist die Essenz aus dreißig Jahren Exploitationkino. Keine Kompromisse und direkt auf den Punkt.
Die Atmosphäre wird auch nicht durch billige CGI-Effekte versaut. Wenn hier ein Kopf zwischen zwei Autoscooter zerquetscht oder ein Fuß beim Hau-den-Lukas zertrümmert wird, dann fliegen hier richtige Brocken durch die Luft und treffen die halbnackten Girls mit den Baseballschlägern genau auf die Brüste. Jawoll, diese Art Film ist das und es wird sich nicht dafür entschuldigt. Dieser Film ist wir ein Lamborghini aus den Achtzigern. Natürlich baut man da hinten eine zwei Meter breiten Spoiler drauf, den man als Theke benutzen kann und natürlich züchtet man die Maschine auf über dreihundert PS. Man kann die Möhre zwar zwar nicht auf der Straße halten aber, Scheiße, sieht das Teil geil aus. Klingt wie die Reiter der Apokalypse und geht wie Hölle!
An dieser Stelle hätte ich gerne den Trailer für 'Hobo With A Shotgun' eingebunden, da ich aber vermute, daß die relativ homurlosen Gesetzeshüter in Deutschland etwas dagegen haben, verkneife ich mir das lieber. Ihr seid ja aber alle nicht auf den Kopf gefallen und kennt alle den Weg zu einem relativ großen Videoportal auf dem man z.B. nach, sagen wir, 'Hobo' und 'Shotgun' und 'Brutalest' suchen könnte (vielleicht sogar gleichzeitig). Rein theoretisch, natürlich. Vielleicht stößt man dann auf einen circa zweiminütigen Zusammenschnitt eines gewissen Films, eine Art Best-Of. Wie gesagt, eventuell. Selbstverständlich rate ich euch an dieser Stelle strikt davon ab. Man weiß ja nie, was für Schäden so etwas verursachen kann.
Hobo with a shotgun (2011)
Reviewed von Frank Voigts am