27. Juni 2013

'HOUSE AT THE END OF THE STREET' (2012) REVIEW

Ich muss gestehen, dass der ganze Jennifer Lawrence Hype komplett an mir vorbei gelaufen ist. Ich habe 'Die Tribute von Panem' nicht gesehen, weil das für mich nach einem Hochglanz-Abklatsch von Kinji Fukasakus 'Battle Royale' aussieht. Der zweite Teil war zwar so la la, das Original ist aber ein Meilenstein und das wollte ich mir nicht durch ein Hollywood Remake mit 'Twilight' Weichspüler versauen. Dramas wie 'Silver Linings', für das Lawrence den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhalten hat, sind nicht wirklich mein Ding. Bei einem Oscar kann die Schauspielerische Leistung ja nicht ganz schlecht sein und darum habe ich mich dazu durchgerungen 'House at the End of the Street' eine Chance zu geben.

'House at the End of the Street' ist erst nach 'Tribute von Panem' und 'Silver Linings' entstanden und würde ohne die Beteiligung von Jennifer Lawrence wohl bei den Veröffentlichungen unter 'ferner liefen' laufen (ha) und nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit bekommen wie jetzt. Aber das ist Hollywood und es wird jede Chance auf Promotion bis auf den letzten Tropfen ausgequetscht. Das kommt eine frisch gebackene Oscar Preisträgerin natürlich mehr als gelegen.

Jetzt aber Butter bei die Fische und ab zur Story (KEINE SPOILER)

Weil ich ein Netter bin, versuchen wir das Ganze komplett ohne Spoiler hinzubekommen, was bei dieser Story wirklich nicht einfach ist. Über den ganzen Film verstreut finden sich nämlich Flashback Szenen, die das bis dahin gesehene (und für wahr befundene) auf den Kopf stellen und alles in einem neuen Licht erscheinen lassen. Das ist eilweise schon ziemlich clever. Aber der Reihe nach ...

Der Film eröffnet mit einem Hammermord. Hammer, nicht weil cool, sondern weil das Werkzeug dabei eine Rolle spielt. Wir sehen eine Teenagerin, die wie in Trance ihre beiden Eltern umbringt. Bumm. Vier Jahre später zieht eine alleinerziehende Mutter, gespielt von Elisabeth Shue ('Piranha' Remake), mit ihrer Tochter, Elissa (Jennifer Lawrence, 'Die Tribute von Panem'), in das Haus nebenan. Soweit scheint alles töfte, bis eines Abends im, angeblich verlassenen, Möderhaus Lichter brennen. Die Mutter erkundigt sich beim lokalen Sheriff und erfährt, dass die Familie noch einen Sohn hatte, der nach dem Tod seiner Eltern wieder nach Hause gezogen ist. Die Tochter wurde nach den Morden nie gefunden und gilt offiziell als vermisst.

Mit der Zeit freunden sich Elissa und Ryan, der Sohn (Max Thieriot, 'Bates Motel'), an und Ryan öffnet sich ihre gegenüber ein wenig. Er erzählt, wie seine Schwester zur Mörderin geworden ist. Als die beiden klein waren, haben sie auf der Schaukel rumgealbert und seine Schwester, Carrie Anne, ist schwer gestürzt. Sie hat einen schweren Gehirnschaden davon getragen und war seit diesem Zeitpunkt geistig behindert. Die Mutter gab Ryan die Schuld und hat ihn zu einer Tante geschickt. Elissas Mutter ist von der neuen Freundschaft nicht besonders angetan und verbietet den beiden den Umgang miteinander.

Jetzt ein Mini-Spoiler, der eigentlich keiner ist ... Ryan hat die ganzen Jahre für seine Schwester gesorgt, und sie unter Drogen im Keller versteckt gehalten. Ihr könnt euch unschwer ausrechnen, das Carrie Anne zum einen oder anderen Zeitpunkt aus ihrem Kellerverlies ausbricht (ist ja schon im Trailer). Ab hier kommen ungefähr alle zehn Minuten Wendungen, die man teilweise aus Kilometern kommen sieht und bei denen man anderseits vor Ungläubigkeit den Mund offen stehen hat. Mehr kann ich, ehrlich gesagt, von der Story nicht erzählen ohne euch den FIlm zu versauen.

Handwerklich ist der Streifen solide gestaltet, von einer netten Atmosphäre über den gelegentlichen Jump-Scare bis zu ansehnlichen schauspielerischen Leistungen. Regisseur Mark Tonderai ('Hush') scheint allerdings Fable für TV Serien wie 'C.S.I' oder 'Law & Order' zu haben, der ganze Film ist nämlich mit einer sich ständig bewegenden Handkamera gedreht. Das geht nicht so weit wie bei diversen Found-Footage Schinken, aber das Ding steht wirklich nie still. Manchmal wünscht man sich einfach eine klassische Kamerafahrt. Naja, soll dem Realismus helfen und schafft das auch halbwegs. Ist eben Geschmacksasche.

Der Film nimmt sich auch die Zeit, die Charaktere und Beziehungen halbwegs glaubwürdig auszuarbeiten. Das unterscheidet ihn positiv von all den anderen stumpfen Teenie Streifen. Es vergehen zum Beispiel gute vierzig Minuten, bis wir von Carrie Ann im Keller erfahren. Danach geht es dann aber Schlag auf Schlag und die letzten dreißig Minuten sind eine einzige, spannungsgeladene Szene. Nett gemacht. Oh, hatte ich den acht (ja, ACHT) Minuten langen Abspann erwähnt? Dabei läuft der schon ziemlich schnell. Wer Böses denken will, könnte meinen, die wollten noch eine Song extra unterbringen, damit sich der Soundtrack besser verkauft.

Wer auf kurzweilige Teenie Schocker steht, oder einfach sonst nichts zu tun hat, kann sich 'House at the End of the Street' mit gutem Gewissen antun. Weltbewegendes sollte man nicht erwarten, aber wer die Hoffnungen aufgrund des Hypes nicht allzu hoch hängt, wird sicher nicht enttäuscht. Kaufen vielleicht nicht unbedingt, aber ausleihen oder auf Streaming oder TV Ausstrahlung warten.





House at the End of the Street (2012)

Reviewed von Frank Voigts am 27. Juni 2013

Kurzweiliger Teenie-Horror mit einigen überraschenden Wendungen.

Wertung: 2 Star RatingStern