16. Januar 2014

'Aftershock' (2012) Filmkritik

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Man mag Eli Roth mögen oder nicht, sein Verdienst um das Horrorgenre und seine halbwegs brauchbaren Ausflüge in das Schauspielerlager sind wohl unumstritten. Als Mitbegründer des Tortureporn Genres hat er als Regisseur mit 'Hostel' neue Tiefen ausgelotet und als Bärenjude in Quentin Tarantinos 'Inglourious Basterds' hat er eine durchaus ansehnliche Leistung abgeliefert. Wenn er nicht vor oder hinter der Kamera steht, liegt Eli Roth aber nicht faul am Strand, sondern sitzt hinterm Schreibtisch und produziert munter Low-Budget Streifen, die er selber gerne sehen möchte. So auch geschehen mit 'Aftershock'.

Hier tritt Roth nicht nur als Produzent und Hauptdarsteller in Erscheinung, nein, er hat auch am Drehbuch mitgearbeitet, um seinem Kumpel Nicolás López unter die Arme zu greifen. López führt Regie bei dieser US/chilenischen Co-Produktion, die für wenig Geld in Südamerika gedreht wurde. Für zwei Drittel des Films habe ich mich übrigens mit der Bezeichnung 'Horrorfilm' schwergetan. 'Aftershock' ist im Kern ein Katastrophenfilm, der gegen Ende mehrere Wendung nimmt, die das 'Horrorfilm' Label doch noch rechtfertigen.

Die Budget-Katastrophe

Auf zur Story: Gringo, ein verwöhnter Amerikaner, gespielt von Roth, besucht einen alten Studienkumpel Ariel (Ariel Levy) in Chile. Zusammen mit einem weiteren Kumpel machen sie die Clubszene von Chile unsicher. Eines Abends treffen sie eine Gruppe junger Frauen (Andrea Osvárt, Natasha Yarovenko, Lorenza Izzo), die sich ihnen auf ihrer Tour anschliessen. Das erinnert schon sehr an das Wolfpack aus der 'Hangover' Reihe, nicht zuletzt wegen der optischen Ähnlichkeiten von Pollo, gespielt von Nicolás Martínez, und Alan, gespielt von Zach Galifianakis. Ein Schelm, wer hier Absicht vermutet.

Unsere drei Pärchen haben auf jeden Fall eine Spass, als sie in einem Club mit einem Mal von einem Erdbeben überrascht werden. Sie schaffen es nur mit knapper Not, und unter Verlust einiger Körperteile, aus dem Gebäude. Hilfe ist nirgends zu finden und so wie es aussieht kämpft hier jeder für sich alleine. Weil das aber noch nicht genug Probleme sind, wird eine Tsunami Warnung ausgegeben und ein Wettlauf zu höherem Gelände beginnt. Oh, hatte ich die umherziehenden Banden von Mördern und Vergewaltigern erwähnt, die durch das Erdbeben aus den Gefängnissen befreit wurden? Ein durchweg beschissener Tag für unsere sechs Helden, eben.

Ist es ein Horrorfilm

Aber ist 'Aftershock' wirklich ein Horrorfilm? Jein. Es wird einer. Gegen Ende. Der Film tranformiert scheinbar mühelos vom Katastrophenfilm über eine Art Mad Max apokalyptischen Endzeitfilm zu einem traditionellen Horrorfilm komplett mit weiblicher Heldin mit kurzen Haaren, wie sie seit 'Haute Tension - High Tension' wohl obligatorisch sind. Das ist auch nicht das einzige Augenzwinkern in Richtung Genrekollegen. Durch den gesamten Film sehen wir Anleihen aus der jüngeren Geschichte des Films. 'Aftershock' ist eine Art Hommage an die Katastrophen- und Horrorfilme der Achtziger. Ein B-Movie, das weiss, was es ist und darin voll aufgeht. Man hat nie das Gefühl, dass die Filmemacher hier mehr abgebissen haben, als verdauen können, was bei Katastrophenfilmen durchaus eine Gefahr sein kann.

Bei dem relativ kleinen Budget musste man auf grosse Szenen mit einstürzenden Wolkenkratzern und weiter Zerstörung verzichten müssen, was dem Film aber in keiner Weise schadet. Man ist immer direkt bei den Hauptdarstellern und kann ihren ganz persönlichen Überlebenskampf beobachten. Da versperrt kein abstürzender Düsenjäger den Blick und der Einsatz der Wackelkamera bei Actionszenen hält sich ebenfalls in Grenzen (ja, ich meine dich 'Transformers').

Niemand ist sicher

Die Charaktere sind alle halbwegs sympathisch geraten, aber man sollte nicht zu sehr mit den Figuren sympathisieren, der Regisseur hat nämlich kein Problem damit die Hauptfiguren bei Bedarf über die Klinge springen zu lassen. Man könnte sagen, die Herrschaften sterben wie die Fliegen. Und das meistens auf ziemlich kreative und blutige Art und Weise. Hier kommt dann auch wieder der Horroraspekt ein bisschen zum Tragen. Ob jemand überlebt (und wenn ja, wer), wird an dieser Stelle selbstverständlich nicht verraten, aber ihr könnt den Film ab sofort auf amazon.de bestellen. Der Film hat eine (verdiente) FSK 18 Freigabe und läuft 1:24 Stunden und wird nie langweilig.




Aftershock (2013)
Kritik von Frank Voigts am 16. Januar 2014
Schneller Katastrophen B-Movie mit Horroranleihen
3 Star Rating