14. April 2014

'Savaged' (2013) Filmkritik

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Zoe hat es nicht leicht im Leben. Sie ist taub und sie hat gerade ihren Vater begraben. Auf der anderen Seite hat ihr Vater ihr den geliebten Pontiac GTO hinterlassen und sie steht kurz vor der Heirat mit ihrem Freund Dane. Ein schwacher Trost, aber immerhin. Nach der Beerdigung macht sich Zoe in ihrem neuen Donnerhobel auf die Heimreise nach New Mexico. Ihre Schwester gibt ihr zwar noch die Warnung mit auf den Weg, daß ein Oldtimer für die Durchquerung der Wüste wenig geeignet ist, aber was soll da schon schiefgehen. Tatsächlich sieht es auch so aus, als wenn die Reise ein gemütlicher Trip durch die malerische Wüstenlandschaft werden soll.

Dumm gelaufen

Wir sind hier aber nicht bei 'Wünsch Dir Was' und deshalb wirft das Schicksal Zoe ziemlich schnell einen Schraubenschlüssel ins Getriebe. Als sie kurz unaufmerksam ist, kann sie nur mit äußerster Not einen Unfall mit einem jungen Mann auf der Strasse vermeiden. Es stellt sich heraus, daß dieser und ein weiterer Mann von einer Horde HInterwäldler (naja, Hinterwüstler) gejagt und dahingemetzelt werden. Natürlich versucht Zoe zu fliehen, weil ein flüchtiger Zeuge schlecht fürs Geschäft ist, wird die Flucht durch einen gezielten Schuss ins Bein abgekürzt. Das Einfachste, und warscheinlich cleverste, wäre jetzt natürlich die ungewünschte Zeugin zu beseitigen, dann wäre der Film aber schon zu Ende.

Kommen wir also zum 'Rape' Teil des ganzen Rape/Revenge Gedöns. Zoe wird in das abgelegene Versteck der Bande verschleppt und dort gefoltert und (ihr habt es erraten) vergewaltigt. Die Filmemacher halten sich bei der Vergewaltigungsszene stark zurück, denn die Tat wird nur angedeutet und nicht in vor dem Zuschauer ausgewalzt. Anders als bei Filmen wie 'Irreversible' oder 'I Spit on your Grave' bleibt einem hier die lange, voyeuristische Szene erspart, die für viele Zuschauer äußerst unangenehm werden kann. Viele sind dafür dankbar, manche sehen darin vielleicht die Trivialisierung einer Vergewaltigung. Ansichtssache eben.

Häh?

Wie dem auch sei, nach Zoes Martyrium gelingt ihr die Flucht. Teilweise jedenfalls, denn einer ihrer Peiniger sieht sie zufällig, stellt sie und tötet sie durch mehrere Messerstiche. So glaubt er jedenfalls und der Film ist hier auch nicht wirklich eindeutig. Auf jeden Fall wird sie in der Wüste verscharrt und am nächsten Tag von einem Schamanen gefunden. Er führt ein Ritual durch, das sie retten soll. Leider befinden die beiden sich zu dieser Zeit auf einem alten Indianerfriedhof und Zoe wird vom Geist eines alten Häuptlings besessen, der vor hundert Jahren von den Vorfahren der Leute dahingemetzelt wurde, die ihr jetzt so übel mitgespielt haben.

Was jetzt folgt sind ein paar Minuten Erklärungen des Schamanen, die auch wirklich nötig sind, denn aus der normalen Handlung kann man die folgenden Informationen nicht ziehen. Also: Zoe war noch am Leben als sie begraben wurde und ist erst beim Ritual gestorben, was dem Geist des Häuptlings die Möglichkeit geboten hat, aus der Welt der Toten in ihren Körper zu fahren. Sie ist also immer noch tot, wandelt aber immer noch auf Erden, bis der alte Häuptling seine Rache an den Nachfahren seiner Peiniger befriedigt hat. Zufälligerweise sind das die gleichen Leute, die auch Zoe auf dem Gewissen haben ... Glück muss man haben.

Der folgende Rachefeldzug ist ebenso vorhersehbar wie blutig. Hier wird splattermässig wirklich kein Klischee ausgelassen. Von den rausgerissenen Gedärmen bis zur Amputation mit der Kettensäge wird alles geboten. Bei der Mischung aus CG und praktischen Effekten, fallen die Computereffekte leider negativ auf. Das sieht irgendwie fehl am Platze aus, was schade ist, denn die Gummigedärme und abgesägten Arme sehen deutlich besser aus. Zoes Makeup, die im Laufe des Films immer weiter zerfällt, ist gut gelungen. Hätte man doch bloß auf die CG Effekte verzichtet. Das ist aber vielleicht für eine relative Low-Budget Produktion nicht realisierbar.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Leider bekommt 'Savaged' nie den Spagat zwischen Rape/Revenge Exploitation und albernem Indie-Horror mit lächerlichen CG Effekten hin. Das ist schade, denn die Sache mit dem von Geistern besessenen Opfer haben wir in diesem Genre so noch nicht gesehen. Da hätte man mehr draus machen können. Den ganzen Film kann man keine klare Linie entdecken. Geht es in eine ernste Richtung a la 'I Spit on your Grave' oder 'Irreversible' geht oder nimmt sich der Film selber nicht so ernst. Die teilweise als Slapstick Komik grenzenden Einlagen, wenn sich Zoe zum Beispiel mit Klebeband selber 'repariert', erinnern sehr an Horrorkomödien wie 'Die Killerhand'. (ACHTUNG SPOILER) Auch das Ende des Films, wo sich die halbierte Zoe versucht selber zu begraben, ist derart übertrieben, das man das nicht wirklich ernst nehmen kann. Die herzerreissende Musik und ihr schluchzender Verlobter helfen da auch nicht wirklich. Schade.

Wir hatten die FSK 18 Version von 'Savaged' zur Renzension. Es gibt noch eine 'uncut' Version ohne Jugendfreigabe (strafrechtlich unbedenklich). Die uncut Version soll circa eine Minute länger sein. Was genau geschnitten wurde, kann ich leider nicht sagen.



Savaged (2013)
Kritik von Frank Voigts am 14. April 2014
Blutiger Versuch eines Rape/Revenge Thrillers, der sich in Mythologie verzettelt
2.5 Star Rating



(Die Blu-Ray für diese Kritik wurde uns freundlicherweise zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt)