17. April 2015

'Starry Eyes' (2014) Filmkritik

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Auf Festivals und in großen Teilen der einschlägigen Online Presse wurde 'Starry Eyes' mit Lob überschüttet und als Wiederkehr des psychedelischen Psychohorrors (entschuldigung) der Siebzigerjahre bejubelt. Dies schon einmal vorab ... diese Meinung kann ich so nicht teilen. Warum das so ist, und ob der Film für euch vielleicht doch ein Blick wert ist, das wollen wir jetzt einmal näher besprechen.

Worum geht es in 'Starry Eyes'? Das ist eigentlich ganz einfach. Eine junge Frau kommt nach Hollywood, um ihren Traum von einer Schauspielkarriere zu verfolgen. Um den Kopf halbwegs über Wasser zu behalten, jobbt sie tagsüber in einer schmierigen Fast Food Kaschemme. Den Rest der Zeit verbringt sie in Auditions oder mit ihren Schauspielerkollegen, die sie aber nicht wirklich ernst nehmen. So schleppt sie sich also von einem erfolglosen zum Anderen und auch ihr Job wird immer unerträglicher. Bis eines Tages ...

Meta ... clever

Bei einem Casting für die Produktionsfirma 'Parallactic Pictures', zufällig auch Produzent von 'Starry Eyes' (clever, clever), hinterlässt sie wieder einmal ein wenig beeindrucktes Casting Team, was zu einem Ausrasten auf der Damentoilette führt. Als eine Art Selbstbestrafung reisst sie sich diverse Büschel ihres Haares aus. Nachdem sie sich beruhigt hat und die Toilette verlassen will, wird sie von einer Dame des Castingteams abgefangen und auf ihr Verhalten angesprochen. offensichtlich wurde sie beobachtet. Man lädt sie ein, noch einen Versuch zu machen, mit der Auflage, sich auf ihr selbstzerstörerisches Verhalten zu konzentrieren.

Widerwillig geht unsere Heldin, Sarah, gespielt von Alex Essoe, auf die Forderung ein und entblösst ihre verzweifelten Versuche mit Ablehnung umzugehen. Dies scheint zu gefallen und man verspricht sich bei ihr zu melden. Gut gelaunt geht Sarah nach Hause und kündigt in der Hoffnung auf den Job ihre Stelle im Restaurant. Tatsächlich kommt auch wenig später der Anruf der Produktionsfirma und sie macht einen Termin mit dem Produzenten des Films. Bei diesem Treffen stellt sich aber schnell heraus, das sie weiter gehen muss, als sie will, um die Rolle zu bekommen. Den Weg über Castingcouch will sie aber nicht gehen und so steht sie mit einem Mal ohne Rolle und ohne Job da.

Echte Freunde

Ihre Freunde machen es ihr auch nicht unbedingt leicht und nach langem Zögern macht sie doch noch den Anruf und trifft sich erneut mit dem Produzenten, bereit zu allem, was ihrer Karriere helfen könnte. Im Büro von Parallactic Pictures läuft die Sache aber relativ schnell aus dem Ruder und sie wird mit einem Drink betäubt. Kurz vor ihrer Ohnmacht sieht sie noch ein paar finstere Gestalten mit Kapuzen den Raum betreten. Offensichtlich ist sie einem Kult in die Hände gefallen. Zu diesem Zeitpunkt muss ich anmerken, das im Film bereits fünfundfünfzig Minuten vergangen sind und alles, was wir bis hierhin gesehen haben ist ein ziemliches 08/15 Setup zur Geschichte.

Aber weiter im Text. Sarah wacht zuhause wieder auf und hat in den kommenden Tagen mit schweren Übelkeitsanfällen zu tun. Ab diesem Zeitpunkt verwandelt sich der Film in eine Mischung aus 'Rosemarie's Baby' und Cronenbergs 'Die Fliege' Remake. Denn natürlich ist sie schwanger mit der Brut des Kults und ihr Körper beginnt sich auf unangenehme Art zu verändern. Auch wenn die Verwandlung nicht ganz an den Bodyhorror von 'Die Fliege' heranreicht, wird hier doch das volle Programm gereicht. Wir reden hier von Blut kotzen, Haare ausfallen und Fingernagel ausreissen. Leider ist die Umsetzung der Verwandlung, zum Beispiel die Fingernagel Szene, nicht annähernd so effektiv, wie man sich das wünschen würde.

Zusammen mit ihrem körperlichen Verfall driftet auch Sarahs Psyche mehr und mehr in den Abgrund. Sie wird paranoid und wendet sich gegen ihre Freunde, die sie nach und nach aus dem Weg räumt. Warum? Weil Gründe. Deshalb. Wir befinden uns hier ca. an der siebzig Minuten Marke und es wird mit Blut nicht gespart, wobei die Effekte nicht wirklich einhundert Prozent überzeugen können. Hier sticht besonders eine Szene unangenehm hervor, in der eine Eisenhantel auf einen Kopf trifft. Mehrmals. Das sieht schon sehr nach Gummi und Pappmache aus. Gleichzeitig ist dies auch die Szene, die 'Starry Eyes' wohl die FSK 18 Freigabe beschert hat. Der Rest ist zwar blutig, aber nicht einen Tag über FSK 16.

Unsere Wertung

Nach all dem Morden ist Sarahs Mission anscheinend erfüllt, und sie kehrt zur Sekte zurück, die sie in einer feierlichen Zeremonie ind den Bergen von Hollywood begräbt. Am nächsten Tag entsteigt sie wie ein verpuppter Schmetterling ihrem Grab und ihre Transformation ist abgeschlossen. Was genau aus ihr geworden ist, und wie es weitergeht, wird nicht erklärt, denn an dieser Stelle ist der Film zu Ende und es ist Zeit für ein Fazit. War der Film unterhaltsam? Nicht besonders. Die erste Stunde ist extrem langatmig und langweilig, ohne dabei eine Atmosphäre zu erzeugen, die das Interesse des Zuschauers hält. Die Schauspieler sind bestenfalls Durchschnitt und die Defizite einer Indie-Produktion sind nur allzu deutlich zu erkennen. An keiner Stelle kommt Spannung oder Grusel auf und kein einziges Mal hat es mich aus meinem Halbschlaf aufgerissen. Das einzige, was im Gedächtnis bleibt ist wohl der exquisite Synth Soundtrack, den ich mir auf jeden Fall besorgen werde.



Starry Eyes (2014)
Kritik von Frank Voigts am 17. April 2015
Langatmige Kult (nicht der gute) Posse
2 Star Rating

Die Blu-Ray für diese Kritik wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.